Das besondere Plasma

04.02.2021
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37-jähriger Naumburger, der eine Covid-19-Infektion überstanden hat, spendet, um mit seinen Antikörpern anderen Erkrankten das Leben zu retten.

NAUMBURG/MERSEBURG - Thomas Knaak hat Glück gehabt. Er hatte nur leichte Beschwerden. Kopfschmerzen, Husten, Halsschmerzen, kein Fieder. „Ich war zweimal per Schnelltest auf Covid-19 getestet worden - beide Male negativ. Der dritte Test war dann allerdings positiv. Das war am 23. November“, erzählt der Altenpfleger, der im Klinikum in Naumburg arbeitet. Es folgten ein PCR-Test und 14 Tage Quarantäne. „Zwei Tage nach dem Test fingen leichte Symptome an. Seit Mitte Dezember arbeite ich wieder“, erzählt er.

Mit einer überstandenen Covid-19-Erkrankung und den daraus resultierenden Antikörpern im Blut gehört Knaak zu jener Gruppe von Menschen, die anderen
Covid-Erkrankten mit ihrer Plasmaspende möglicherweise das Leben retten könnten. „Ziel ist es, Covid-Erkrankten ein Medikament verabreichen zu können,
dass aus Plasmaspenden mit Antikörpern hergestellt wird. Damit kann die Krankheit mit Sicherheit in ihrem Verkauf abgekürzt oder auch gemildert werden“,
erklärt Christiane Ihlenburg, die zuständige Zentrumsärztin des Plasma-Service in Merseburg. Was man allerdings festgestellt habe, sei die Tatsache, dass die Antikörper, die sich bei Erkrankten gebildet haben, bereits nach durchschnittlich zwei Monaten stark abgesunken sind. „Man kann zwar auch mit einer niedrigen Zahl von Antikörpern noch eine gute Immunität haben, aber nach dieser Zeit gehen unsere Spender wieder in das normale Spenderprogramm zurück“, erklärt
die Ärztin.

Um möglichst viele Lebensretter zu finden, hat der Plasma-Service Europe, zu dem auch das Zentrum in Merseburg gehört, einen bundesweiten Aufruf gestartet.
„Wir würden uns sehr freuen, wenn sich möglichst viele Menschen, die Covid-19 gut überstanden haben, melden würden“, sagte Berit Degen, die Leiterin des
Spendermanagements, gegenüber Tageblatt/MZ. Aktuell gibt es in Merseburg 20 Spender, die Covid überstanden und Antikörper gebildet haben. Das Plasma,
das aus ihrem Blut gewonnen wird, wird von der Firma Biotest mit Sitz in Hessen zu Medikamenten verarbeitet, die vorrangig in den Anwendungsgebieten der
Klinischen Immunologie, Hämatologie und Intensivmedizin zum Einsatz kommen.

Für Thomas Knaak ist es eine Selbstverständlichkeit sein Plasma zur Verfügung zu stellen. Er ist seit Jahren einer der treuesten Spender am Merseburger Standort des Plasma Service Europe. Die aktuelle Spende war für ihn bereits Nummer 183 in Merseburg. 850 Milliliter Blutplasma spendet Knaak an diesem Tag. Plasma darf etwa ein Mal pro Woche gespendet werden.

Zum Spender wurde der 37-Jährige durch seine Frau, die bereits Spenderin war, als er sie kennenlernte. „Sie hat mich dann mal mitgenommen, allerdings ist
mir beim ersten Mal gleich schlecht geworden. Aber ich habe mich nicht abschrecken lassen“, schmunzelt der Altenpfleger. Der gebürtige Dresdner, der in Naumburg lebt, spendet seit 2016 in Merseburg. „Das ist für mich die nächstgelegene Möglichkeit und den Weg nehme ich gern auf mich“, sagt Knaack, der früher in Dresden auch Thrombozyten gespendet hat.

„Die Blutplättchen sind für die Blutgerinnung nötig. Die Medikamente, die daraus hergestellt werden, bekommen dann zum Beispiel Menschen, die Bluter
sind“, erzählt er. Und immer, wenn es nach Dresden geht, um die Familie zu besuchen, bucht er sich gleich noch einen Termin fürs Blutspenden. Das macht
Knaak nämlich auch noch. Dieser Mann gibt quasi fast alles, um anderen Menschen zu helfen.

Seit Mitte Dezember darf er auch wieder arbeiten. „Ich bin jetzt auf der Covid-Station bei uns im Klinikum. Als dafür Leute gesucht wurden, habe ich mich
gemeldet“, erzählt er. Und das obwohl er vermutet, dass er sich bei der Arbeit infiziert hatte. „Das ist eben so. Auf die Covid-Station wäre ich auch vor meiner Erkrankung gegangen, wenn man mich gebraucht hätte.“

Quelle: Mitteldeutschen Zeitung [Das besondere Plasma, 04.02.2021]

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